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20. Dezember 2019

Eure Heimat ist unser Albtraum – Rassismus geht alle etwas an

„Deutschland ist ein rassistisches Land, aber ich darf nicht ‚Rassismus‘ sagen, weil das Unbehagen auslöst. Was stört mich euer Unbehagen?" fragte Autor Enrico Ippolito während der Lesung aus der Anthologie Eure Heimat ist unser Albtraum am vergangenen Mittwoch im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) das Publikum. Neben ihm waren die Autor*innen Hengameh Yaghoobifarah und Nadia Shehadeh im Rahmen der kulturell leben-Veranstaltungsreihe von DKH, Multikulturellem Forum und Planerladen zu Gast und brachten auf den Punkt, worum es ihnen mit ihrem Manifest gegen ein völkisch verklärtes Konzept von Heimat geht: Die hier geschilderten Erfahrungen von Unterdrückung, Ausgrenzung und Rassismus gehen alle etwas an.

© Mustafa Sirin

Im Podiumsgespräch mit Katharina Kühn, Kulturreferentin des Multikulturellen Forums, erzählten die Autor*innen, die Umbenennung des Bundesinnenministeriums im vergangenen Jahr mit dem Zusatz „Heimatministerium“ habe den Anstoß für das Buchprojekt geliefert. Sie taten sich mit 11 weiteren Beteiligten zusammen, um dem dort verwendeten Konzept „Heimat“ ihre Perspektiven auf eine vielfältige Gesellschaft entgegenzusetzen. In „Eure Heimat ist unser Albtraum“ halten sie Deutschland den Spiegel vor: Witzig, wütend und wortgewandt erzählen sie vom Leben als „Andere“. Und landeten damit überraschend auf den Bestsellerlisten; das Buch liegt inzwischen in der siebten Auflage vor – ein Zeichen dafür, dass die Debatte längst fällig war.

Hengameh Yaghoobifarah, die gemeinsam mit Fatma Aydemir Herausgeberin des Bandes ist, trug auf der Lesung Auszüge aus ihrem Text „Blicke“ vor. Ihr geht es um die Macht, die Blicke haben können: Welcher Blick, welche Perspektive entscheidet, wer dazu gehört und wer nicht? Wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewege, mache sie die Erfahrung: „Blicke scannen dich ab, und du merkst: The kanak is present“ heißt es im Text. Rassismus darf aber nicht nur das Problem derer bleiben, die betroffen sind, so der Tenor der Lesung und des anschließenden Publikumsgesprächs. Bei Rassismus handle es sich um ein strukturelles Problem, das von allen abverlangt, aktiv dagegen vorzugehen. Dies sei zwar ein schmerzlicher Prozess, wie Nadia Shehadeh betonte, jedoch zwingend notwendig, denn „Der Rassismus verschwindet nicht einfach so.“ Auf die Frage aus dem Publikum, warum sie denn selbst in ihrem Titel zwischen „wir“ und „ihr“ unterschieden habe, antwortete Yaghoobifarah dann auch, mit „wir“ seien alle gemeint, die nicht einverstanden seien mit diesem Heimatbegriff, gemeinsam müsse man Allianzen bilden.

Die Veranstaltungsreihe kulturell leben wird vom Multikulturellen Forum e.V., dem Dietrich-Keuning-Haus und dem Planerladen e.V. seit 2018 organisiert und findet regelmäßig mit Lesungen, Filmvorführungen oder Diskussionsabenden zu gesellschaftspolitischen Themen im Dietrich-Keuning-Haus statt.