1. Info
  2. Aktuell
  3. Standpunkte
  4. Konfliktmanagement
  5. Materialien
  6. Stiftung
  7. Links
  8. Suche
  1. News
  2. Archiv
  3. Aktionen
  4. Newsletter

Aktuell:

Aktuell  News  Detail
25. März 2026

Rückblick auf die Housing Action Days 2026 in Dortmund

Der Housing Action Day ist ein von sozialen Organisationen und Initiativen europaweiter wohnungspolitischer Aktionstag. Seit mehreren Jahren beteiligen sich auch Dortmunder Initiativen hieran, so auch in diesem Jahr.

Während in den letzten Jahren als Standort für die gemeinsame Kundgebung und Aktionen der Platz vor der St. Joseph-Kirche auf der Münsterstraße gewählt wurde, reagierte das Dortmunder Aktionsbündnis dieses Jahr auf eine aktuelle und besorgniserregende Entwicklung auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt und verlegte seinen angestammten Kundgebungsort raus aus der Nordstadt und rein ins Viertel rund um die Chemnitzer Straße. Hier kündigte der Volkswohlbund im Sommer 2025 seinen Mieter*innen der Häuser 4 bis 14, da sich seiner Aussage nach eine Sanierung der Häuser finanziell nicht lohnen würde, weswegen ein Abriss und Neubau notwendig sei. Auf diese Art würden 36 Haushalte, welche teilweise seit Jahrzehnten in ihren Wohnungen lebten ihr Heim verlieren, sowie aus ihrer Nachbarschaft verdrängt und dem angespannten Dortmunder Wohnungsmarkt ausgeliefert werden.

Am 21. März veranstaltete das Dortmunder Aktionsbündnis, zu welchem neben dem Planerladen und dessen Jugendforum Nordstadt noch der Mieterverein Dortmund und Umgebung, GrünBau, Caritas, Labor Ankommen e.V., DGB, Sozialforum Dortmund, Solidaritätsnetz Dortmund, Bodo e.V., Genossenschaft von unten sowie der Initiative post.abriss zählen gemeinsam eine Kundgebung mit verschiedenen Reden und Aktionen. Dieser Tag sollte zudem den verbliebenen Bewohner*innen der Chemnitzer Straße Kraft geben, um durchzuhalten und gegen die aus Sicht des Dortmunder Mieterbundes rechtlich zweifelhafte Kündigung weiter anzukämpfen.

Der Planerladen und sein Jugendforum Nordstadt beteiligten sich mit der Aktion „Tür der Lebensrealitäten“ am Tag. Interessierte Passant*innen erhielten Mieter*innenselbstauskünfte, mit welchen sie in die Rolle von Personengruppen schlüpfen durfte, die es auf dem Wohnungsmarkt aufgrund von verschiedenen Diskriminierungsformen wie von Rassismus, des Altersdiskriminerung und Diskrinminerung aufgrund des sozialen Status besonders schwer haben. Auf Grundlage dieser Steckbriefe wurden die Passant*innen aufgefordert einzuschätzen, wie einfach oder schwer sie es wohl haben, eine Wohnung zu finden. Viele zeigten sich geschockt darüber, wie stark unveränderliche Personenmerkmale den Weg in die eigene Wohnung erschweren können. Dies zeigte zuletzt die Studie „Gewohnt ungleich: Rassismus und Wohnverhältnisse“ des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors.

Das Moses-Mendelssohn-Institut hat zudem zuletzt untersucht, wie sich die Preise für WGs entwickelt haben: in Dortmund müssen junge Menschen, die einen neuen Lebensabschnitt als Auszubildende oder Studierende beginnen mittlerweile durchschnittlich 425 Euro Miete zahlen, während dies 2021/22 noch 330 ¤ waren. Sie können sich die hinter der „Tür der Lebensrealitäten“ als Grundriss aufgemalte Wohnung, die kurz vor dem Aktionstag auf einem Immobilienportal für den Dortmunder Süden angeboten wurde mit ziemlicher Sicherheit nicht leisten. Als Zielgruppe dieser Wohnungsanzeige nannte das Unternehmen jedoch ohnehin einen fünf-Personen-Haushalt, der Transferleistungen empfängt. Mit einer Kaltmiete, die nur knapp unter der „Kosten der Unterkunft“-Grenze in Dortmund liegt bedient das Wohnungsangebot somit ein anderes Wohnungsmarktsegment.

 Trotz eisiger Kälte verweilten Passant*innen und Besucher*innen länger an den verschiedenen Aktionsständen, kamen mit den Initiativen ins Gespräch,  sprachen den Bewohner*innen der Chemnitzer Straße Mut zu und diskutierten darüber, wie eine gerechte Wohnungspolitik aussehen kann.

Am folgenden Dienstag, 24. März setzten sich die Diskussionen auf der von Alex Völkel moderierten Podiumsdiskussion fort. Markus Roeser vom Mieterverein Dortmund, Anja Laubrock als Leiterin vom Amt für Wohnen Dortmund und Sarah Matthes des Spar- und Bauvereins Dortmund sprachen über aktuelle Entwicklungen auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt und wie sie diese bewerten, ob und wo es in Dortmund Gentrifizierungsprozesse gibt, welchen Personengruppen der Zugang zum Wohnungsmarkt schwerer gemacht wird als anderen und was für eine zukünftige Entwicklung sie für den Wohnungsmarkt in Dortmund erwarten.